Die Gradationskurve

Die Gradationskurve ist wohl das effektivste, aber auch das am wenigsten verstandene Tool in einem Bildbearbeitungsprogramm. Aber keine Sorge. In diesem Tutorial gehe ich nur auf die Basics ein, damit auch jeder Einsteiger mit diesem Tool arbeiten kann.

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Ich habe hier mal eine Landschaftsaufnahme herausgesucht, die etwas Kontrast vertragen könnte:

 

Mal sehen, wie wir das mit der Gradationskurve hinbekommen.

Als Allererstes öffnen wir das Histogramm. Das ist notwendig, damit wir während der Einstellungen das sogenannte Clipping ständig im Auge behalten können. Wir aktivieren diese Vorschau – falls noch nicht geschehen – mit dem Tastenkürzel J.

Man erkennt schon an dem Histogramm, dass die Aufnahme etwas Kontrast vertragen kann. Bevor wir aber loslegen, hier ein paar Basics zu der Gradationskurve.

 

In Lightroom gibt es zweierlei Darstellungs- bzw. Bearbeitungsmodi. Zum einen die Standardvariante mit einer Steuerung über vier Regler …

 

… oder aber die klassische Punktbearbeitung:

 

Im eigentlichen Gradationskurvenbedienfeld (das Rechteck) sehen wir eine gerasterte Fläche mit einer ausgegrauten Vorschau des Histogramms sowie eine weiße Linie, die von links unten nach rechts oben verläuft. Das ist die eigentliche Gradationskurve, die jetzt noch linear in einem 45-Grad-Winkel verläuft, da noch keine Veränderungen vorgenommen wurden.

Diese Linie repräsentiert den sogenannten Ausgangswert, d.h., die veränderten Tonwerte im kompletten Bild. Zieht man etwas an der Kurve, erscheint darunter eine gestrichelte Linie (hier rot dargestellt). Diese repräsentiert den sogenannten Eingangswert, d.h. die ursprünglichen Tonwerte im Bild.

Ihr seht schon, das Ganze kann ziemlich technisch werden, obwohl das Tool bei Weitem nicht über die Funktionalität der Gradationskurve in Photoshop verfügt. Ich will es daher dabei belassen. Wichtig ist nur zu wissen, dass sich links unten im Quadrat die dunklen Tonwerte befinden, und je weiter man nach rechts oben geht, desto heller werden die Tonwerte, und das von rein Schwarz (0%) bis rein Weiß (100%). Wenn ich die Gradationskurve nach oben ziehe, werden die Tonwerte heller; umgekehrt werden die Tonwerte dunkler, sobald ich die Kurve nach unten ziehe.

 

Um das mal zu verdeutlichen: Auf dem Schnappschuss hier unten wurden alle gelb dargestellten Bereiche aufgehellt und die rosafarbenen Bereiche abgedunkelt:

 

Anfänger sollten mit der Standardvariante arbeiten und die Gradationskurve über die vier Slider verändern. Das hat den Vorteil, dass man nicht viel falsch machen kann, da der Tonwertumfang der einzelnen Regler begrenzt sind. Welche Tonwertbereiche von den Reglern angesteuert werden, sieht man, wenn man mit der Maus an der Gradationskurve entlangfährt:

Tiefen:

 

Dunkle Mitteltöne:

 

Helle Mitteltöne:

 

Lichter:

 

Die einzelnen Bereiche werden von den kleinen Dreiecken unter dem Diagramm gesteuert. Diese sogenannten Teilungssteuerelemente kann man auch verschieben, um den jeweiligen Bereich zu erweitern oder zu verkleinern. M.E. eine wenig sinnvolle Funktion, aber probiert's einfach mal aus.

Jetzt aber zu dem Ausgangsbild.

Die einfachste Möglichkeit, den Kontrast im Bild zu erhöhen, ist die Nutzung eines der Presets von Lightroom. Diese befinden sich im Bedienfeld bei dem Ausklappmenü Punktkurve:

 

Wir entscheiden uns hier für das Preset Starker Kontrast:

 

Das sieht ja schon fast perfekt aus. Wer genau hinschaut, wird feststellen, dass gleichzeitig auch der Farbstich aus dem Bild verschwunden ist.

 

Jetzt geht´s ans Feintuning mit den Reglern. Das Geröll ist an manchen Stellen noch zu hell. Wir ziehen daher den passenden Slider etwas nach rechts, um diesen Bereich abzudunkeln. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, um welchen der vier Slider es sich handelt. Das kann man ganz einfach herausfinden, indem man mit der sogenannten Zielkorrektur arbeitet. Dieses Werkzeug können wir durch Klick auf das gleichnamige Symbol rechts oben in dem Bedienfeld aktivieren.

 

Wenn wir jetzt mit diesem Werkzeug über den Bildbereich gehen, den wir verändern möchten, sehen wir im Bedienfeld den korrespondierenden Tonwertbereich und den passenden Slider (hier: Lichter).

 

Da wir das Werkzeug bereits aktiviert haben, wäre es Zeitverschwendung, den Slider zu benutzen, denn mit diesem Werkzeug kann man durch Klicken und Ziehen im Bild die Tonwerte intuitiv verändern. Um den gewählten Bereich aufzuhellen, ziehe ich nach oben und zum Abdunkeln nach unten.

Da wir das Geröll etwas abdunkeln wollen, ziehen wir das Werkzeug nach unten, bis wir das gewünschte Ergebnis haben; hier ist das ein Wert von -39.

 

Analog können wir dann auch bei den anderen Tonwertbereichen vorgehen. Vielleicht können wir die dunklen Bereiche im Felsen etwas abdunkeln, um mehr Zeichnung zu erhalten. Ich setze den Cursor an der passenden Stelle an und ziehe die Maus wie nach unten und voilà, wir sind fertig:

 

Jetzt darf in einem Tutorial zur Gradationskurve der Modus Punktkurve nicht fehlen, obwohl – wie ihr gesehen habt – der Standardmodus vollkommen ausreicht.

Diesen Modus erreicht ihr, indem ihr auf das kleine Symbol rechts unten im Tonwertkurvenbedienfeld (so heißt das Bedienfeld Gradationskurve übrigens offiziell) klickt.

 

Das Aussehen des Bedienfeldes verändert sich ein wenig, obwohl es exakt dieselbe Gradationskurve ist.

Wir sehen jetzt die von uns eben gesetzten Punkte auf der Gradationskurve und es fehlen die Slider. In diesem Modus kann man die Gradationskurve nur durch Setzen und Ziehen an den einzelnen Punkten verändern.

 

Um einen Punkt zu setzen, braucht ihr nur auf die Gradationskurve zu klicken. Entfernen kann man Punkte dadurch, dass man über dem Punkt einen Rechtsklick bzw. Ctrl-Klick ausführt und im Kontextmenü Kontrollpunkt löschen wählt. Mit der Option Kurve reduzieren setzt ihr die Gradationskurve wieder auf die neutrale Position zurück.

 

Letzteres erreicht ihr im weiter oben besprochenen Standardmodus ebenfalls durch Rechtsklick oder aber durch einen Alt-Klick auf das Wort Region.

 

Übrigens sieht dort das Kontextmenü etwas anders aus, …

 

… wie ihr seht. Das liegt daran, dass ihr in diesem Modus auch die bereits erwähnten Teilungssteuerelemente verstellen und zurücksetzen könnt.

Was den Modus Punktkurve angeht, so braucht es beim Arbeiten nur mit Punkten etwas Erfahrung. Aber wie ihr an dem obigen Beispiel gesehen habt, ist das in den allermeisten Fällen gar nicht notwendig. Allerdings findet sich hier eine mit LR 4 eingeführte neue Option, nämlich die Möglichkeit, die RGB-Kanäle einzeln anzusteuern.

Das eröffnet für den erfahrenen User eine Vielzahl von Möglichkeiten, auf die ich hier in diesem Tutorial nicht eingehen kann. Ein Beispiel dafür, nämlich ein schönes Cross-Processing, findet ihr als Preset zum Download hier im Tutorial beim Arbeitsmaterial. Das sieht auf dieses Bild angewandt so aus:

Der Hauptanwendungsfall für die Gradationskurve bei einem normalen User ist ohnehin die sogenannte S-Kurve, die den Kontrast in den Mitteltönen anhebt. Deshalb reicht es in der Regel, wenn man eines der Presets als Ausgangsbasis nimmt und dann mit dem Zielkorrekturwerkzeug – wie oben gesehen – das Feintuning macht. Das Bearbeiten diverser Punkte ist dann die Kür.

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