Der Schärfe-Dialog

Quasi jede Digitalaufnahme, die im Rohdatenformat aufgenommen wurde, muss nachgeschärft werden. Dies ist systembedingt. In diesem Tutorial stelle ich den Schärfe-Dialog von Lightroom vor und erkläre die einzelnen Regler. Grundlagenwissen im Schärfen setzte ich dabei voraus.

Wir empfehlen:
Photoshop Lightroom-Training - Basics und Tricks

Bevor wir "in medias res" gehen, hier noch ein Hinweis:

Ich setze bei den folgenden Ausführungen voraus, dass ihr wisst, wie ein Schärfefilter dem Grunde nach funktioniert. Dieses Wissen ist zwar nicht unbedingt erforderlich, erleichtert aber die Arbeit in Lightroom oder jedem anderen Bildbearbeitungsprogramm erheblich. Ich kann daher nur empfehlen, sich diesbezüglich schlauzumachen.

Wir sehen hier die Mundpartie eines Porträts, das ich schärfen möchte. Beim Schärfen wird seitens Adobe empfohlen, das Bild auf 100 % zu vergrößern. Das ist hier bereits erfolgt:

 

Wir wechseln jetzt in das Entwickeln-Modul und öffnen die Details-Palette:

Zunächst fällt das kleine Vorschaufenster in der Palette auf. Dort sehe ich einen Ausschnitt aus meinem Bild in einer Zoomstufe von 100 %. Dieses Feature bietet die Möglichkeit, mit zweierlei Zoomstufen zu arbeiten. So kann ich z.B. das Bild im Vorschaubereich auf 50 % zoomen und habe gleichzeitig im Detailzoombereich in der Werkzeugpalette eine 100-%-Ansicht, eine Kombination, die von einigen bevorzugt wird.

Ich persönlich kann mit dem kleinen Ausschnitt nicht viel anfangen und arbeite immer nur mit dem Bild im Vorschaubereich.

 

Um den Detailzoombereich zu ändern, klicke ich mit der Maus auf das Fadenkreuz-Symbol.

 

Jetzt kann ich mit der Maus über das Bild fahren und mit einem Klick ins Bild einen anderen Bildausschnitt auswählen. Hier konkret der Fingernagel:

Der Schärfedialog in Lightroom verfügt über vier Slider, und zwar:

Betrag
Radius
Details
Maskieren

 

Beginnen wir mit dem Regler Betrag. Dieser ist mit dem Photoshop-Regler Stärke des Filters Unscharf maskieren identisch, mit dem Unterschied, dass ich in Lightroom einen Maximalwert von 150 habe, in Photoshop hingegen einen Wert bis 500 einstellen kann. Jedenfalls steuere ich mit diesem Regler den Kontrast an den Kanten im Bild.

Damit ich die Wirkung meiner Einstellung am Bild besser beurteilen kann, bietet Lightroom die Möglichkeit, das Bild während der Einstellung temporär in Graustufen darzustellen. Dazu brauche ich nur die Alt-Taste zu drücken, wenn ich an dem Regler ziehe:

 

Bei dem Beispielbild scheint mir ein Wert von 101 der richtige zu sein:

Leider kann man beim Schärfen keine allgemeingültige Wertevorgabe machen. Ihr müsst selbst ausprobieren, welcher Wert eurem Bild gut tut.

 

Mit dem Slider Radius steuere ich die Ausdehnung der oben erwähnten Kontrastkanten in Pixeln. Maximalwert ist hier in Lightroom 3 Pixel. Auch hier kann ich mittels Alt-Taste temporär ein Graustufenbild erzeugen.

 

An diesem Slider kann man am besten nachvollziehen, was der Schärfefilter eigentlich macht. Wenn ihr den Regler mit gedrückter Alt-Taste hin und her bewegt, seht ihr, wie sich die Kontrastkanten entsprechend des jeweiligen Pixelwertes ausdehnen bzw. zusammenziehen. Noch deutlicher wird es, wenn ihr zuvor den Wert bei Betrag auf den Maximalwert 150 gestellt habt.

Probiert es ruhig einmal an euren Bildern aus. Bei unserem Bild erscheint ein Radius von 1,7 Pixel ausreichend.

 

Der nächste Regler mit dem Namen Details entspricht dem Regler Schwellenwert in Photoshop, nur, dass er genau umgekehrt funktioniert. Damit steuere ich, welche Kontrastwerte im Bild als zu schärfende Kanten vom Filter erkannt und verändert werden.

Faustregel: Je höher der Wert, desto mehr Kanten im Bild werden geschärft.

Auch hier hilft es, wenn man sich beim Ziehen des Sliders mittels Alt das Graustufenbild anzeigen lässt. Bei diesem Regler wirkt die Vorschau ähnlich wie beim Hochpassfilter in Photoshop.

 

Wenn man – wie hier – ein Bild mit Haut schärft, sind geringere Werte sinnvoll. Etwas anderes kann bei detailreichen Naturaufnahmen der Fall sein. Aber auch hier müsst ihr etwas experimentieren. Ich entscheide mich hier für einen Wert von 27.

 

Der letzte Regler trägt den Namen Maskieren, und er tut das, was man von einer Maske erwartet. Hiermit steuere ich, welche Bereiche im Bild geschärft werden. Auch hier könnt ihr die Wirkungsweise besser beurteilen, wenn ihr mit der Alt-Taste arbeitet.

Bei einem Wert von 0 ist das gesamte Bild weiß, d.h., alle Teile des Bildes werden geschärft.

 

Ziehe ich den Slider weiter nach rechts, erscheinen immer mehr schwarze Bereiche, die nicht geschärft werden.

 

Lightroom maskiert mithin bestimmte Bereiche aus dem Wirkungsbereich des Filters heraus. Das ist bei Porträts sehr hilfreich, weil ich damit die Hautbereiche ungeschärft belassen, andere Bereiche wie Augen, Lippen usw. hingegen gezielt akzentuieren kann.

Ich entscheide mich hier für einen Wert von 47:

Diese Werte sind natürlich für dieses Tutorial bewusst für den Vorher-nachher-Vergleich zu hoch gewählt. In der Praxis würde man bei einem Porträt sicherlich etwas dezenter vorgehen.

Schärfen verlangt vom Bildbearbeiter etwas Erfahrung. Deshalb ist das Üben umso wichtiger. Die hier eingestellten Werte erscheinen am Bildschirm überschärft, im Druck können diese Werte aber je nach Druckverfahren gerade richtig sein. Mit der Zeit werdet ihr aber ein Gefühl dafür bekommen.

Wir empfehlen:
Fotografie-Workshop-DVD

Unsere Empfehlung für dich

Lightroom-Presets für Fotografen und Bildbearbeiter

Lightroom-Presets für Fotografen und Bildbearbeiter

Großartige Effekte geben Bildern das ultimative Extra und sorgen für spannende Eyecatcher. Wer jedoch keine Lust hat, diese Bildeffekte manuell und zeitaufwendig selbst zu erstellen, der darf mit diesem Paket in den nächsten Gang schalten!

  • 295 Lightroom-Presets aus dem Workflow der Fotografen Mario Jacob und Mike van Doorn (taydoo)
  • Farbstimmung, Kontrast-Looks, Retro, Pastell und Co.
  • Presets dürfen für private und auch kommerzielle Projekte (!) genutzt werden

Zum Training